MEINUNGEN

Mein angedachtes Diplomthema hiess "Eigenbild und Fremdbild".

Hier sind einige Stimmen von Menschen, die ich fotografiert habe, manchmal anhand meiner gestellten Fragen, manchmal frei.




Ich denke dass bei deiner Art zu fotografieren, das Drumherum: Gespräche, Atmosphäre etc. fast noch wichtiger ist als das Shooting selbst. Ich könnte mir nicht vorstellen mit dir das typische von 14.00-19.00 Uhr Shooting abzuhalten, bei dem man sich erst am Platz des Geschehens trifft und auch in den meisten Fällen nicht geneigt ist an der Fassade des anderen zu kratzen. Weil es ja meist gerade um diese Fassade geht. Ich denke nicht, dass es möglich wäre, solch persönliche Fotos auf diese Art zu machen.
Vor dem Shooting, das mich zwar bereits eine ganze Zeit gereizt hat, wovor ich allerdings auch aufgrund der Andersartigkeit deiner Bilder sehr unsicher war, habe ich die ganze Mode/Beauty/Akt-Fotografie, die einem täglich begegnet, eher nüchtern gesehen. Aus eigener Erfahrung wusste ich um den schönen Schein, der selten anderes als Licht, Styling, Posen und Blicke ist.
Ich war es gewöhnt, die Person, die mich morgens im Spiegel verschlafen ansieht, soweit möglich in eines dieser Kunstprodukte zu schminken und ertappte mich auch im täglichen Leben oftmals beim Posen ... einfach weil ich wusste, wie welcher Blick wirkt, ohne es mir jedoch selbst angenommen zu haben.
Das Ganze kommt mir jetzt sehr falsch und recht verlogen vor.
Ich bin immer noch begeistert, auch von der klassischen inszenierten Fotografie, wenn sie Emotionen schafft.
Ich denke nur viel mehr über das Dahinter nach, über das Dirigieren, die Reflektoren, Assistenten... und bin noch wesentlich gelangweilter von Perfektion als ich es schon früher war. Der Blick auf mich selbst hat sich stark verändert. Ich kann nicht sagen, dass ich selbstbewusster geworden bin, die Art von Selbstbewusstsein hat sich geändert.
Wo ich früher bewusst gespielt habe, um ein bestimmtes Bild von mir zu suggerieren, ist es mir heute öfter egal, ob ich im klassischen Sinne vorteilhaft rüberkomme, weil ich langsam lerne zu verstehen, dass ich auch ohne Maske ganz akzeptabel bin, und dass meine Meinung über mich mehr wert sein sollte als die anderer.
Sicher finde ich mich nicht ausnahmslos schön auf den Bildern, dafür sind andere zuständig, aber ich bin mir selbst näher als ich es lange war.
Mich so mit mir selbst zu beschäftigen war relativ schwierig aber aber auch extrem befreiend für mich. Was ich aus den neuen Erkenntnissen mache, wird sich zeigen.
Ich hoffe nicht in alte Muster zurückzufallen. Außerdem bin ich jetzt noch detailverliebter als zuvor, finde Schönheit in winzigen Kleinigkeiten nicht unbeinflusst von den wunderbaren Schattenspielen und deinem ganz eigenen Blick.
Anderen gegenüber bin ich nicht misstrauischer oder offener als zuvor, nur echter ... wenn ich das Gefühl hab ich kann es sein. Sicher sind nicht alle Frauen wie ich (zum Glück), und dieser Effekt ist vielleicht kein repräsentatives Beispiel ... ich denke jedoch dass man, wenn man den Mut hat sich zu öffnen und sich obendrein noch ein Sympathieverhältnis aufbauen lässt, sehr viel aus einem Shooting mit dir mitnehmen kann, mehr als Bilder.
Wobei diese auch so wundervoll sind, dass es sich für mich immer lohnen würde, den langen Weg zu machen :-)
Bitte beruhige weiterhin mein Bedürfnis nach Außergewöhnlichem und fotografischen Experimenten.






wie hast du fotos zum thema mode/beauty/akt empfunden, bevor du fotografiert worden bist?

diese bilder (mode) waren mir eigentlich recht gleichgültig. was man in frauenzeitschriften etc. sieht, wirkt auf mich so glatt und künstlich, dass es mit mir und meinem leben nichts mehr zu tun hat, insofern haben mich solche fotographien nie sonderlich interessiert. in ausnahmefällen habe ich die perfektion bestaunt, aber inhaltlich waren diese bilder oft leer und nichtssagend. aktfotos wirkten auf mich zumeist von vorneherein so schmierig, billig oder gewollt, das ich zu faul war, mir eine differenziertere meinung (bzl. der technik, beleuchtung, perspektive...) zu bilden.
fand ich einge aufnahmen wirklich mal reizvoll, fragte ich mich, weswegen die dargestellten personen nackt sein mußten, da der reiz nie das produkt der nacktheit war. ich war immer der meinung, dass die nacktheit, das sich totale entblößen vor den augen anderer, fremder, etwas sehr schwieriges, grenzwertiges, jedenfalls sensibles ist. und ich habe kaum fotographien gesehen, die dem gerecht werden.

wie hat sich diese position veraendert?

zu aktfotos kann ich nichts sagen, ich habe keine machen lassen und werde es vermutlich nie tun. die anderen aufnahmen (von mir) unterscheiden sich sich von denen, die ich oben beschrieben habe, duch ihre austrahlung und wärme. diese bilder sind schön und charmant, sie wirken lebendig und erfassen mich als person, anstatt ein schönheitsideal abzugeben.

wie hat sich dein blick auf dich selbst veraendert?

meine aufnahmen wirken teilweise so weiblich und weich, wie ich mich vorher kaum kannte. tatsächlich aber habe ich diese anteile, weswegen die bilder auch nicht künstlich und aufgesetzt wirken. sie transportieren eine sinnliche, teils geheimnisvolle und erotische stimmung; eine seite, die ich durch das betrachten der bilder erst bewußt wahrgenommen habe.

hat sich dein blick auf andere veraendert?

in ähnlicher weise.

hast du speziell zu mir als fotografen ideen, meinungen, denkanstoesse?

was du durch deine fotographien an anderen entdeckt (entblößt) hast, ist enorm. die bilder sind sehr stimmungsvoll, und du hast ein sicheres auge für das weibliche. spannend wäre es sicher, noch ganz andere seiten zu entdecken?







gedanken zu diesem thema:

lieber ruedi, ich moechte dich gruessen als dein vielleicht aeltestes modell. auch ich bewundere deine fotos sehr. du hast ein einzigartiges auge fuer aesthetik, schoenheit, erotik, atmosphaere...und einen hervorragenden geschmack. aber das haben deine anderen fans dir auch schon hundertmal erzaehlt und ich soll hier ja meine meinung speziell als modell aeussern.

also ich muss sagen, ich habe die ganze zeit ueber sehr wenig verbindung gesehen zu fotos aus der mode (und "beauty")-welt. unser interesse an den fotos schien mir hauptsaechlich geschichtenerzaehlend und eher an film erinnernd. wir mussten ja nie z.b. ein kleidungsstueck in szene setzen, damit es moeglichst gut verkauft wird, konnten uns also inhaltlich ganz persoenlich ausleben, ohne dass es um eine ware ging.
(dass es schade ist, dass die welt noch nicht bereit zu sein scheint fuer spannendere modefotos mit weniger glatter ausstrahlung und dass das schoenheitsbild der masse ein so seltsames ist, ist ja eine ganz andere und ziemlich weitschweifige diskussion)

aber wie gesagt, bei unseren sessions ging es meiner meinung nach immer hauptsaechlich um interessante schauplaetze und unterschiedliche rollen und die entstehenden kontraste im ausdruck. ob nackt oder nicht finde ich uebrigens ganz nebensaechlich: themenbedingt.

selbstverstaendlich hat sich auch der blick auf mich selbst veraendert, aber am reizvollsten scheint mir gewesen zu sein, das innere bild nach aussen gebracht zu haben: das bild von einem selbst und die vielen unterschiedlichen seiten, die man empfindet, haben sich mit den fotos sozusagen optisch materialisiert. die grosse kunst ruedis besteht in der dramaturgischen zuspitzung der stimmungssituation, der exakten erkennung des augenblicks, in dem man sich in dem zu treffen scheint, was der einzelne interessant findet und das was man festhalten und zeigen moechte; weil es das vielleicht so noch nicht gibt. dieses zusammenspiel ist recht aufregend und fruchtbar. ruedi und ich haben sicherlich hierbei eine ganz andere schnittmenge als andere modelle mit ruedi. es gibt ja auch personen, bei denen es diese schnittmenge leider gar nicht gibt. durch die grosse offenheit ruedis und seiner lust auch zur umsetzung meiner oft ungewoehnlichen ideen, habe ich fast den eindruck, als haetten wir beide sogar eine der groessten schnittmengen! vielleicht klingt es etwas vermessen, aber deswegen kann ich dir, ruedi jetzt auch keine (von dir gewuenschten) anregung geben, sowie die anderen. denn das, was ich gut finden wuerde, machst du schon, und so viel mehr...

ruedi, fotografieren mit dir war mir bis jetzt eine freude und eine herausforderung und nicht selten ein grosser spass

deine maeri







wie hast du fotos zum thema mode/beauty/akt empfunden, bevor du fotografiert worden bist?

irgendwie als gemacht, fremd, verschönert (was sie ja oft auch wirklich sind), aber ohne einen bezug zu nehmen, da ich selbst ja so etwas noch nie gemacht hatte und auch nie wirklich vor hatte. ich glaubte mehr an die innere schönheit - sehe nun aber, dass innere schönheit eine tiefe der äusseren schönheit durchaus ausmacht. man kann die beiden nicht komplett trennen.

wie hat sich diese position veraendert?

wie schon oben erwähnt, habe ich gewisse zusammenhänge begriffen, die gute bilder von schlechten unterscheiden. die richtige fotografiertechnik ist aber auch von bedeutender rolle, und die absicht und einstellung (nicht nur die der kamera) des fotografen lenken das entstehende (kunst)werk.

wie hat sich dein blick auf dich selbst veraendert?

dachte ich doch immer, ich sei nicht fotogen, muss ich nun eingstehen, dass da durchaus ein potenzial vorhanden war, mich UND mein wesen in den bildern einzufangen. und was ich sah freute mich - was aber, glaube ich, auch mit meiner unprofessionalität und auch meinem vertrauen zu dir zu tun hatte. es hat mich selbstbewusster gemacht - in einer art, die nicht hochnäsig ist (hoffe ich jedenfalls). ich sehe jedenfalls, das die fremdbilder, die du von mir gemacht hast, durchaus zum grossen teil meinem eigenen eigenbild, das ich von mit hatte, entsprachen. das hat mich ehrlich gefreut - mich für mich selber zufrieden gemacht ohne eitel zu werden.

hat sich dein blick auf andere veraendert?

ja. ich sehe mir menschen anders an - als zusammenspiel von dem, was ich visuell aufnehme, und dann duch die gestik, handlungen oder den umgang, den sie zu anderen oder zu mir pflegen. es ergibt ein vollständigeres bild. ich lasse mich nun weder von aussehen allein, noch von innerer wahrnehmung alleine überzeugen ... und ich sehe, dass eigentlich jeder schön ist, wenn man ihn dazu ermutigt - also die positiven seiten sucht.

hast du speziell zu mir als fotografen ideen, meinungen, denkanstoesse?

rüdi, ich danke dir im nachhinein, dass du mich fotografieren wolltest, weil ich selber nie gefragt hätte. so aber hast du mir einen anderen zugang zu mir selbst und anderen eröffnet.
mach weiter so und ermutige menschen sich ihrem fremdbild zu stellen - du machst das gut indem du das festhalten kannst, was man vielleicht sonst nie von sich selbst gesehen hätte. another bright sight! das hat fast psychologischen charakter. du kannst menschen selbstvertrauen geben (allerdings auch nehmen, wenn der vibe nicht stimmt). das könnte man doch fast therapeutisch einsetzen - heutzutage kämpfen doch viele und können vielleicht mit so einer sicht auf sich, wie du sie ablichtest, (wie sie gerne sein wollen und zum teil schon sind, es aber nicht wussten) mehr mut bekommen, mehr bei sich selbst sein. :o)







gedanken zu diesem thema:

ich glaube ich kann im allgemeinen sagen, dass mir mit DIR am besten die spontanität gefallen hat. es war stets ein einstieg mit kleinem konzept, der dann einen völlig neuen weg einschlug, eben wetter-, licht-, stimmungs-abhängig. vor allem hab ich viel gelernt, z.b. mich kameralos in deiner nähe zu fühlen, gedanken schweifen zu lassen und fast in einen trance-zustand zu verfallen, wenn geräusche, temperatur, wind und sonne gut harmonieren... (ich denke da an mein lieblings-shooting im spätsommer auf deinem dach!!!) eine gute kombination aller sinne war für mich immer sehr wichtig, getoppt mit überraschungen und ideen.

die vielfältigkeit meiner person auf deinen bildern war auch neu für mich. ich dachte, ich wäre "nur" ein klarer "natur-fall", also beige-töne, weiches licht, wind etc. aber mit wasser, stoffen und was wir nicht alles gemacht haben, haben sich völlig neue "karos" gezeigt. danke dafür.

generell hat sich im laufe der zeit auch mein körpergefühl verbessert.

vielleicht auch mein "auge" für körper- und aktfotografie. am allerwichtigsten ist bis heute aber die eigene stimmung. ich kann nicht an allen tagen fotos machen. das unterschiedliche gemüt wird später im bild immer zu sehen sein.







wie hast du fotos zum thema mode/beauty/akt empfunden, bevor du fotografiert worden bist?

ich habe diese fotos häufig als anreiz genommen, selbst gerne so auszusehen wie die Models auf den bildern. und so häufig ein unzufriedenes bild von mir gehabt, da ich mit einigen teilen meines körpers oder auch gesichtes nicht in die sog. gesellschaftsstrutur passen würde, zum anderen habe ich Akt immer als sehr mutig und häufig als kunst verstanden. leider habe ich zu dem Zeitpunkt nicht über das alter, die retusche und die zahlreichen Op der "Schönheiten" nachgedacht.

wie hat sich diese position veraendert?

ich sehe die o. g. Fotos jetzt aus einem realistischen blickwinkel. nämlich haufenweise belichtung, makeup, gute körperausschnitte, körperhaltung, evtl. ops usw. diese bilder werfen mich nicht mehr um meilen zurück, sondern ich betrachte sie nüchtern und eher interessiert, wie das wohl entstanden ist und aus wievielen hunderten das ausgesucht wurde.

wie hat sich dein blick auf dich selbst veraendert?

ich bin selbstbewußter geworden und war fasziniert von den ergebnissen und meine neu gewonnene sichtweise von mir selbst. hätte nicht gedacht, dass ich zu solchen bildern fähig wäre. und habe ebenfalls viel über die Körperhaltung und belichtung etc. gelernt. Mein Selbstbild hat sich verändert und ich denke, das fremdbild, was so einige von mir hatten, auch. und das zum positiven sinne.

Jetzt müßte ich allerdings dringend wieder ein Shooting machen, um zu sehen, wie es dann ist, denn durch die körperliche veränderung (Schwangerschaft) habe ich ein ganz anderes Bild bekommen - würde gerne mal wissen wie es Claudia und Heidi nach so einer Hormonellen Fahrt so geht :-))

hat sich dein blick auf andere veraendert?

siehe auch oben in bezug auf models - ansonsten gehöre ich zu den Menschen, die selten nur nach dem äußeren gehen, sondern sich immer die individuelle Schönheit der einzelnen ansehen (also auch Charakter, Charisma, Humor etc.) bevor ich urteile.

hast du speziell zu mir als fotografen ideen, meinungen, denkanstoesse?

was ich gut finde, ist, dass deine bilder alle eine gleiche handschrift tragen - trotz der ganz unterschiedlichen Models haben sie alle ihren eigenen rüdi stil - dennoch betrachtest du alles sehr genau und findest immer noch eine kleine unsicherheit bei deinen models, das finde ich auch gut, denn es bedeutet für mich, dass du dich mit dem Menschen dahinter außeinandersetzt (wenn es denn noch so ist - grins) manchmal denke ich jedoch, eine neue art von bildern wäre auch mal nett - picasso hatte ja auch unterschiedliche phasen - so. z.B. etwas aus dem ganz normalen alltagswahnsinn oder so....